14.02.2014 |  Recht

Studie von Roland Berger: Erwartungen an Insolvenzrecht ESUG erfüllt

Die Reform des Insolvenzrechts stellt insgesamt einen Erfolg dar, so das Ergebnis der neuen „ESUG-Studie“ von Roland Berger Strategy Consultants und der Wirtschaftskanzlei Noerr. Knapp zwei Jahre nach Inkrafttreten ist das Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) in der Praxis angekommen. Über die einzelnen Regelungen herrscht jedoch nach wie vor Unsicherheit.

Die Zahl der Unternehmen, die 2013 in Deutschland Insolvenz anmelden mussten, hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter erhöht. Anträge auf Eigenverwaltung wurden hingegen vergleichsweise selten gestellt. Bisher haben vor allem Gläubiger und Insolvenzverwalter die Neuregelungen des ESUG angewandt. Laut der Studie von Roland Berger und Noerr wurde in 86 Prozent der Fälle die vorläufige Eigenverwaltung genutzt, das Schutzschirmverfahren und der vorläufige Gläubigerausschuss in jeweils 80 Prozent der Fälle. Zu den prominenten Namen, die ein Insolvenzverfahren unter ESUG initiiert haben, gehören Pfleiderer, Loewe, Suhrkamp, Leiser und Centrosolar.

Obwohl 90 Prozent der Befragten ihre Erwartungen an das ESUG erfüllt sehen, wird das neue Insolvenzrecht weiterhin kontrovers diskutiert. Gläubiger, Richter und Investoren fühlen sich über die einzelnen Neuerungen immer noch schlecht informiert. Dazu kommt die hohe Komplexität bei der Antragstellung. 51 Prozent bemängeln eine hohe Rechtsunsicherheit, 43 Prozent die umfangreichen Dokumentationspflichten.

Insbesondere Gläubiger sehen die Eigenverwaltung kritisch: 2013 wurde fast die Hälfte der Anträge auf Eigenverwaltung abgelehnt. Der Grund: Es mangelt an einem schlüssigen Sanierungskonzept. Dazu Martin Franssen, Gründer und Geschäftsführer von interim-x.com: „Ein solides Sanierungskonzept ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Fortführung eines von Insolvenz bedrohten Unternehmens. Sieht sich ein Unternehmen nicht in der Lage, selbst entsprechende Strategien und Maßnahmen zu erarbeiten, bietet sich die Einbindung eines Interim Managers an. Interim Manager mit Erfahrung in Sanierungs- und Restrukturierungsprojekten wissen, auf welche Punkte es ankommt und sind erfahren im Umgang mit den Gläubigern. Wird der Antrag auf Eigenverwaltung genehmigt, kann das Unternehmen mit der Unterstützung des Interim Managers als Chief Restructuring Officer umgehend mit der Implementierung der Maßnahmen beginnen und seine Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung deutlich erhöhen.“

Laut der „ESUG-Studie“, für die 2.100 Gläubiger, Insolvenzverwalter, Rechtsanwälte, Investoren und Manager befragt wurden, ist ein erfahrenes, unabhängiges Management eine der wichtigsten Anforderungen an die Eigenverwaltung. Der Chief Restructuring Officer gewinnt in diesem Zusammenhang weiter an Bedeutung. Mehr als 70 Prozent der Befragten sehen in dieser Rolle die wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung.

„Die Nachfrage nach Interim Managern mit Sanierungserfahrung wird sich weiter erhöhen“, erläutert Martin Franssen. „In 2013 haben in Deutschland 26.733 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Im laufenden Jahr ist mit weiteren Ausfällen zu rechnen. Bei vielen Unternehmen steht die Rückzahlung von Fälligkeiten an, insbesondere im Markt für Mittelstandsanleihen. Hier sind von 119 Anleihen bereits 17 ausgefallen, weitere werden folgen.“