31.01.2014 |  Markt

Personalsuche über Algorithmen: Vom Computer eingestellt

„Big Data“ hält verstärkt auch in den Personalabteilungen Einzug und nimmt eine immer bedeutendere Rolle im Recruiting und im Talent Management ein. Während in den USA bereits zahlreiche Unternehmen auf die komplett computergesteuerte Identifizierung und Bindung talentierter Mitarbeiter setzen, steht Deutschland erst am Anfang.

Die intelligente Verknüpfung und gezielte Auswertung großer Datenmengen soll Unternehmen einen Wissensvorsprung verschaffen und zur Effizienzsteigerung sowie besseren Entscheidungsfindung beitragen. Zunehmend werden nicht nur Vertriebs-, Supply Chain-, Finanz- oder Risikoinformationen ausgewertet, sondern auch HR-Daten. US-amerikanische IT-Konzerne wie der Druckerhersteller Xerox oder Branchenprimus Google, aber auch kleinere IT-Unternehmen lassen Algorithmen darüber entscheiden, ob ein Bewerber zu ihnen passt. Die klassische Personalbeschaffung sei zu schwerfällig, die subjektiven Entscheidungen der Personaler mündeten nicht zwangsläufig in der besten Wahl, so der Tenor. Nach Aussagen der Unternehmen hat die Bewerberauswahl via Big Data die Qualität und die Beschäftigungsdauer von Neueinstellungen deutlich erhöht.

In Deutschland steht die Nutzung von Online-Assessments, bei denen Analyseprogramme mit ausgefeilten Algorithmen die Testergebnisse nach Mustern durchsuchen und damit die Passung zwischen Bewerber und Wunschprofil ermitteln, erst am Anfang. Das gilt auch für das computergestützte Sortieren von Lebensläufen, das laut Computerwoche in den USA bereits in 95 Prozent der Unternehmen üblich ist. In Deutschland war Bosch eines der ersten Unternehmen, das eingehende Lebensläufe über eine Software vorselektiert.

Experten zufolge wird Big Data künftig verstärkt im Talent Management genutzt. Anhand von HR-Daten werden Fluktuationsrisiken berechnet, Programme mit intelligenten Suchfunktionen scannen soziale Netzwerke nach passenden Kandidaten. Anhand von Arbeitsmarkt- und Gehaltsdaten und Kompetenzprofilen werden sogar ganze Recruiting-Strategien entwickelt.

„Die computergestützte Bewerberauswahl ist ein äußerst effizientes Instrument auf dem Weg zum Wunschkandidaten“, erklärt Martin Franssen, Gründer und Geschäftsführer von interim-x.com. „Bei interim-x.com erhalten Unternehmen über intelligente Suchalgorithmen und eine innovative Matching-Technologie eine treffsichere Vorauswahl an passenden Interim Managern, die exakt mit dem Anforderungsprofil des Unternehmens übereinstimmen. Die Unterstützung durch Big Data ersetzt jedoch nicht die individuelle Überprüfung und Abwägung im Einzelfall, das gilt insbesondere bei der Besetzung von Führungspositionen.“

Big Data erfordert Anpassungen von Geschäftsstrategien und -prozessen

Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner investieren erst 30 Prozent der Unternehmen in Industrienationen in Big Data, nur acht Prozent arbeiten bisher produktiv damit. Bis 2017 soll sich der Einsatz jedoch deutlich ausweiten. Deutsche Unternehmen zeigten sich zunächst zögerlich, einer aktuellen Umfrage der Marktforscher von IDC zufolge sind sukzessive nun vermehrt entsprechende Projekte sichtbar. War Big Data bislang eher ein Thema für Großkonzerne, erkennt zunehmend auch der deutsche Mittelstand die Vorteile. Laut einer Umfrage von IBM beschäftigen sich bereits drei von vier Mittelständlern intensiv mit dem Thema – mit dem Ziel, besser auf ihre Kunden eingehen zu können.

Der Umgang mit Big Data ist mit zahlreichen Herausforderungen verknüpft. Gerade mittelständische Unternehmen tun sich schwer, die vorhandenen Datenmengen zu strukturieren und umfänglich zu analysieren. Spezialisten sind rar. Es werden nicht nur Programmierer und Analysten benötigt, sondern auch Berater, die entsprechende Prozesse und Strukturen aufsetzen. Laut Gartner ist Big Data nicht mehr ausschließlich ein IT-, sondern zunehmend ein Business-Thema. Der Wandel vom Reporting- zum Analysezentrierten Unternehmen hat weitreichende Konsequenzen auf die Art und Weise der Unternehmensführung und erfordert Anpassungen bei Geschäftsprozessen und -strategie.

„Big Data ist immer im Gesamtzusammenhang mit der langfristigen Unternehmensstrategie zu sehen. Um das Potenzial vollständig auszuschöpfen, müssen interdisziplinäre Teams aufgebaut werden, in dem sich technische und analytische Kompetenzen und eine übergreifende, strategische Denkweise ergänzen“, erläutert Martin Franssen. „Während für die rein technische Seite Fachspezialisten benötigt werden, eignen sich für den Aufbau entsprechender Strukturen auch Interim Manager mit Erfahrung aus der Leitung komplexer IT-Projekte. In Frage kommen auch Interim Manager, die CIO-Funktionen innehatten. Deutschland steht bei Big Data erst am Anfang, es ist zu erwarten, dass sich hier für Interim Manager ein vielversprechendes Betätigungsfeld auftut.“