11.12.2013 |  Markt

Mittelstandsanleihen im Fokus – nur mit überzeugendem Konzept erfolgreich

Wachstum, Innovation, Zukunftssicherung – der Finanzierungsbedarf des Mittelstands ist hoch. Immer häufiger wird der Anleihemarkt zur Kapitalbeschaffung genutzt. Doch nach anfänglicher Euphorie wartet der Markt für Mittelstandsanleihen mit ernüchternden Nachrichten auf.

„Mittelstandsanleihen: Einer pleite, alle pleite“, „Bei Mittelstandsanleihen droht böses Erwachen“, „Mittelstandsanleihen: Falle für Anleger“ – seitdem im März mit dem Windtürmebauer SIAG Schaaf der erste Emittent einer Mittelstandsanleihe Insolvenz anmelden musste, reißen die Negativschlagzeilen nicht ab. Mit dem Online-Händler Getgoods.de meldete kürzlich erstmalig ein Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit an, das nicht aus der Branche der Erneuerbaren Energien kommt.

Mit dem Personaldienstleister HKW steht nun das neunte Unternehmen am Markt für Mittelstandsanleihen vor der Insolvenz. Das ist die dritte Pleite innerhalb von sieben Wochen. Und weitere können drohen. Denn auf die Unternehmen, die sich auf diesem Weg neues Kapital beschafft haben, rollt eine große Refinanzierungswelle zu. 2014 sind Schuldtitel in Höhe von 180 Millionen Euro fällig, 2018 sind es bereits 1,37 Milliarden Euro. Nur die wenigsten Unternehmen verfügen über ausreichende Mittel, um ihre Zinszahlungen zu leisten und die Papiere zu tilgen.

Die mit Basel III verbundenen Restriktionen der Banken bei der Kreditvergabe haben nach der Wirtschafts- und Finanzkrise dazu geführt, dass auch der Mittelstand verstärkt den Kapitalmarkt zur Finanzierung nutzt. In nur wenigen Jahren ist aus dem Segment Mittelstandsanleihen ein Markt mit einem geschätzten Emissionsvolumen von mehr als fünf Milliarden Euro und Anleihen von über 100 mittelständischen Unternehmen geworden. Die vermehrten Zahlungsausfälle und die Tatsache, dass über die Hälfte der Papiere unter dem Ausgabekurs notiert, zeigen jedoch deutlich: Mittelstandsanleihen sind nicht für jedes Unternehmen geeignet.

Insbesondere für Unternehmen mit Liquiditätsproblemen sollte die Emission einer solchen Anleihe keine Option sein. Angesichts der zahlreichen Insolvenzen der vergangenen Monate wird der Zugang zum Anleihemarkt für Mittelständler künftig deutlich erschwert werden. Strengere Zulassungskriterien und Überprüfungen sollen verhindern, dass mittelständische Unternehmen mit schwacher Bilanz und unzureichendem Finanzierungskonzept Anleihen begeben. Nur Unternehmen, die ein langfristiges, zukunftsorientiertes Konzept vorlegen können – basierend auf einem erfolgversprechenden Geschäftsmodell und klaren Wachstumsprognosen – werden ihre bisherige Finanzierung erfolgreich um eine Mittelstandsanleihe ergänzen können.

Für kriselnde Unternehmen mit Finanzierungsbedarf bedeutet dies, sich frühzeitig und umfassend mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen – und sich bei der Optimierung der Kapitalstruktur gegebenenfalls von externen Experten unterstützen zu lassen. Wird nicht nur für die Erarbeitung sondern auch für die Umsetzung entsprechender Konzepte Unterstützung benötigt, bietet sich der Einsatz eines Interim Managers an. Dies gilt insbesondere auch für den Fall, dass Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich sind. Erfahrene Finanz- und Restrukturierungsexperten können hier als Interim Manager wertvolle Unterstützung leisten.

Führt der Weg zu neuem Kapital schließlich über eine Mittelstandsanleihe, sind Unternehmen mit wenig Kapitalmarkterfahrung ebenfalls gut beraten, Unterstützung von außen hinzuzuziehen. In der Regel sind dies Emissionsberater, Juristen und Wirtschaftsprüfer. Auch Interim Manager finden hier ein vorübergehendes Betätigungsfeld, sei es in der operativen Begleitung des Emissionsprozesses oder auch in der Folgephase.

Der Kapitalmarkt fordert eine transparente, fortlaufende Kommunikation, die nicht mit der Platzierung der Anleihe endet. Mit den Offenlegungspflichten sehen sich viele kapitalmarktunerfahrene Unternehmen überfordert. Unternehmen werden künftig noch schneller als bisher umfassende und detaillierte Zahlen vorlegen und über mögliche Risiken informieren müssen. Das Aufsetzen entsprechender Prozesse könnte mit Unterstützung eines Interim Managers erfolgen.