05.12.2016 |  Markt

Interim Manager in der Industrie 4.0

Die Digitalisierung ist in vielen Unternehmen bereits weit fortgeschritten. Für produzierende Unternehmen steht die nächste, gravierende Herausforderung im Bereich der Fertigungstechnik unter dem Titel „Industrie 4.0“ bevor.

Auch die Bundesregierung hat die Bedeutung des technologischen Wandels für den Produktionsstandort Deutschland erkannt und fördert seit dem Jahre 2012 Projekte, die eine Industrie 4.0 Relevanz haben. Ziel ist es, die globale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Produktionsstandortes für die nächsten Jahre zu erhalten und auszubauen. Zudem sollen Ressourcen und die Umwelt geschont und Prozesse effizienter gestaltet werden. Übrigens ist Henning Kagermann, ehemaliger CEO von SAP und Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), Miterfinder des Begriffs „Industrie 4.0.“

Die Auf- beziehungsweise Umrüstung, mit der sich, im Zeitalter der „Industrie 4.0“, viele Unternehmen konfrontiert sehen, um im Wettbewerb bestehen zu können, bietet ein breites Einsatzfeld für Interim Manager und umsetzungsorientierte Berater, die über Industrie 4.0 relevante Erfahrungen und Expertise verfügen

Smart Factorys im Zentrum der Industrie 4.0

Im Zentrum der Industrie 4.0 steht die „intelligente Fabrik“ oder „Smart Factory“. Hierbei handelt es sich um Fertigungsanlagen und Produktionskapazitäten, die miteinander vernetzt sind und miteinander kommunizieren. In einer Smart Factory wird nahezu jeder Produktionsprozess durch Cyber-Physische Systeme (CPS) automatisiert. CPS ermöglichen die Optimierung und Re-konfigurierung von Produktionsprozesse. Hierdurch werden einerseits die Produktivität erhöht und Produktionsprozesse verkürzt, andererseits kann die Produktion flexibilisiert und an die individuellen Kundenwünsche angepasst werden. Der Kunde und seine individuellen Wünsche finden sich spiegelbildlich in den neuen Produktionsprozess wieder. Audi ist gerade dabei, die Fließbandarbeit in eine Produktionsweise zu überführen, durch die jeder produzierte PKW im Extremfall zu einem Unikat wird und somit die Kundenwünsche in jedem Detail reflektiert. Das Konzept von Henri Ford, one fits all, ist tot. Es lebe die Industrie 4.0, die auf individuelle Wünsche ausgerichtete Massenproduktion. Die Kunden legen bei Konsumgütern immer größeren Wert auf Individualisierung. Die individualisierte Massenfertigung oder Mass-Customization ist eine Vision, die mit der Industrie 4.0 Realität wird. Ob es sich um den individuell, auf den Fuß des Läufers konfigurierten Nike-Schuh handelt, die maßgeschneiderte Levis Jeans oder den Audi, den es nur genau einmal gibt – die Industrie 4.0 macht es möglich.

Industrie 4.0 entlang der Wertschöpfungskette

Neben der Produktion revolutioniert die Industrie 4.0. auch andere wertschöpfende Prozesse in Unternehmen. Ob es sich um fahrerlose Transportsysteme in der Lagerwirtschaft handelt oder die Nutzung von Datenbrillen für Lagerarbeiter. VW hat bereits im Jahre 2015 im Teilelager Wolfsburg die Datenbrille eingeführt. Mit der Datenbrille, die den Handscanner ablöst, haben die Mitarbeiter beide Hände frei. Per Minikamera liest und scannt das Gerät Daten, führt den Lagerarbeiter an den richtigen Ort und erhöht somit die Produktivität der Kommissionierung. 

Auch das Marketing und der Vertrieb sowie die Produktion werden in der Industrie 4.0 wesentlich stärker integriert. Kunden konfigurieren ihre Wunschprodukte online – ein Prozess, der eng mit der Produktionsplanung sowie der Auftragsabwicklung und der Produktion verknüpft ist. Individualität, die nicht zu Lasten des Preis-Leistung-Verhältnisses geht. 

Real time Daten des Kunden werden zum Produktionsfaktor und intelligente Informations- und Produktionstechnologien verschmelzen zu einer Einheit.

Damit traditionelle Produktionsunternehmen aus dieser bereits Realität gewordenen Revolution als Sieger, zumindest Überlebender, hervorgehen, stehen sie vor sehr anspruchsvollen Herausforderungen. Um nicht den Anschluss zu verlieren, sondern als Protagonist an der nächsten industriellen Revolution teilzunehmen, greifen sie zunehmend auf externe Experten bzw. ganze Expertenteams zurück.

Interim Manager in der Industrie 4.0: Einsatzmöglichkeiten

Bei der Transformation hin zu einer Industrie 4.0 bedienen sich Unternehmen zunehmend interimistischer Experten bzw. ganzer Teams. Thematisch geht es hierbei u.a. um 

  • die Bestandsaufnahme der Fähigkeiten und Ressourcen eines Unternehmens, in Form von Know-how, Technologie und Kapital, den Weg zur Industrie 4.0 einzuschlagen
  • die konzeptionelle Entwicklung von intelligenten Anwendungen und Systemlösungen, die Kunden Zusatznutzen stiften und einen Wettbewerbsvorteil darstellen
  • die Schaffung von technologischen Grundlagen, um bzw. Echtdaten zu verarbeiten und auf deren Grundlage Dienstleistungen anzubieten, Konsumentenverhalten und auch Produktions- bzw. Wartungs- und Instandhaltungsprozesse zu initiieren etc.
  • die Identifikation von Kompetenzdefiziten, die ein Unternehmen beseitigen muss, um auf der Basis der neuen Spielregeln am Markt erfolgreich agieren zu können
  • die Identifikation und das Recruiting von Talenten, die in der Lage sind, den Wandel zu gestalten
  • die Beantwortung der strategischen Frage, ob eine Unternehmensakquisition das erwerbende Unternehmen in die Lage versetzt, den Wettbewerb in der Industrie 4.0. zu gewinnen
  • die Frage, was ein Unternehmen mit Mitarbeitern macht, deren bisheriger Arbeitsplatz in einer digitalisierten Welt redundant werden.

Darüber hinaus sind externe IT-Experten an vielen Stellen notwendig – beispielsweise, wenn es darum geht, das Kommunikationsnetzwerk eines Unternehmens an die neuen Bedingungen anzupassen. Auch die Einführung cloud-basierter Systeme erfordert Expertise, die insbesondere in traditionellen Unternehmen häufig fehlt. Zudem müssen die ungeheuren Datenmengen, welche durch die neuen Prozesse generiert und notwendig werden, ausreichend gesichert und verschlüsselt werden, um sowohl Industriespionage als auch Cyberkriminalität zu verhindern. Die jüngste Attacke auf die Infrastruktur der Telekom verdeutlicht die informationstechnologische Verletzbarkeit von Unternehmen und Organisationen. 

Dies sind nur einige Beispiele für Themenstellungen, für deren Beantwortung Interim Manager von Unternehmen mandatiert werden. Insbesondere im Mittelstand kommen sie federführend zum Einsatz, um das neue industrielle Zeitalter aktiv zu gestalten.