08.05.2017 |  Studie

Externe Berater erkennen interne Hürden im Mittelstand

Digitalisierung ist eine Chance! Dieser Auffassung sind stolze 85 Prozent der deutschen Mittelständler laut einer Studie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung (WGMB). Damit überwiegt der Optimismus deutlich. Nur 49 Prozent sehen die Digitalisierung als Risiko – und fast zwei Drittel erwarten sogar, dass sie neues Geschäft hinzugewinnen werden.

Schwierig wird es allerdings bei der Frage, wie gut sich der deutsche Mittelstand für die Umbrüche gerüstet sieht. Nur 27 Prozent sind der Meinung, er sei international wettbewerbsfähig. Die Angst vor internationalen Wettbewerbern hält sich dennoch in Grenzen. Als eine größere Bedrohung empfinden viele Mittelständler Start-ups. 41 Prozent befürchten, Geschäft an die neuen Wettbewerber zu verlieren.

Unternehmen sehen mangelnde Qualifikation als größte Hürde

Die Befragten gehen davon aus, dass bei Start-ups mehr digitale Kompetenz vorhanden ist als in den eigenen Reihen. Sie sehen das Fehlen von entsprechender Qualifikation im eigenen Haus als größtes Hindernis für eine erfolgreiche digitale Transformation. Eine Ausnahme bilden lediglich die Branchen Gesundheitswesen, Pharmazie & Medizintechnik sowie die Banken & Versicherungen. Im Gesundheitssektor sind es vor allem fehlende finanzielle Ressourcen, welche als Hindernis gesehen werden. Bei den Banken sind es die langsamen Entscheidungsprozesse.

Die Unternehmensberater, welche ebenfalls an der Studie teilnahmen, schätzen die Situation allerdings anders ein. In ihren Augen ist es vornehmlich die Zurückhaltung des Top-Managements, welche der digitalen Entwicklung im Wege steht oder diese stagnieren lässt. Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine Studie von Vason Bourne im Auftrag von Dell Technologies. Diese sieht einen Mangel an Unterstützung und Förderung durch die Führungsebene als eines der größten Hindernisse für die erfolgreiche Digitalisierung in Unternehmen verschiedener Größen. Die Großunternehmen haben dies anscheinend erkannt: In jedem dritten wird die Digitalisierung mittlerweile in der Chefetage verantwortet.

Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und externer Expertise

Der Einschätzung der Unternehmensberater entgegen steht das Selbstverständnis der Mittelständler. Immerhin sind 64 Prozent sind der Meinung, dass das Top-Management in ihren Unternehmen den größten Treiber für die Digitalisierung darstellt. Diese Diskrepanz könnte ein Grund dafür sein, dass mittelständische deutsche Unternehmen das Potenzial der Digitalisierung bei weitem noch nicht ausschöpfen, wie der Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe im August 2016 gegenüber der „Computerwoche“ kritisch kommentierte. Hier zeigt sich, wie wertvoll der Input durch externe Berater sein kann, um das eigene Unternehmenspotenzial realistisch einzuschätzen – und die entsprechenden Stellschrauben zu justieren, um das Unternehmen auf Erfolgskurs zu bringen.

Doch nicht nur Fehleinschätzungen hinsichtlich der eigenen Strukturen behindern die erfolgreiche Digitalisierung. Auch werden im Unternehmen häufig die falschen Schwerpunkte gesetzt. So liegt in den meisten Firmen der Fokus auf Technologien und Tools, die im Zuge der digitalen Neuausrichtung entwickelt oder modernisiert werden müssen. Dabei ist es vielmehr zwingend nötig, auch die Geschäftsmodelle einer Transformation zu unterziehen – nur wenn auch die Geschäftsmodelle auf die Herausforderungen der digitalen Welt abgestimmt sind, können die neuen Technologien und Tools überhaupt greifen und den gewünschten Erfolg bringen. Eine Umfrage von Bearing Point ergab allerdings, dass diese essentiell wichtige Transformation lediglich bei jedem dritten Unternehmen auf der Agenda steht. Auch hier kann also der externe Blickwinkel durch erfahrene Experten entscheidend sein, um das Bewusstsein für notwendige Entwicklungen zu schärfen, hierfür eine Roadmap zu entwickeln und diese schließlich intern umzusetzen.

Großteil der Unternehmen hält externe Berater für notwendig

Im Zuge der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung zeigt sich: Die Kunden sind der größte Treiber. Ihre gewachsenen und veränderten Ansprüche machen neue Entwicklungen nötig. Häufig warten die Unternehmen allerdings auf Input von außen, anstatt die notwendigen Veränderungen intern zu identifizieren und anzustoßen. Immerhin ist sich ein Großteil der Unternehmen dieses Defizits bewusst: Laut der Studie von Vason Bourne glauben mehr als 80 Prozent von ihnen, dass sie professionelle Partner brauchen, um den digitalen Transformationsprozess erfolgreich durchführen zu können. Erfahrene, auf die digitale Transformation von Geschäftsprozessen spezialisierte Interim Manager können gerade im Mittelstand wertvolle Unterstützung liefern, wenn es darum geht, interne Hürden zu erkennen und zu beseitigen.