09.12.2013 |  Recht

Experteninterview: Chancen und Risiken des Interim Managers als CRO in der Eigenverwaltung

Unternehmen in der Krise suchen häufig die Unterstützung von Sanierungsberatern. Diese vermitteln oftmals Geschäftspartner oder Mitarbeiter als Sanierungsgeschäftsführer oder CRO in die betroffenen Unternehmen. interim-x.com hat den Rechtsanwalt und Experten für Insolvenzrecht Frank Thiele zu den Chancen und Risiken dieser Konstellation befragt.

Herr Thiele, Sie haben als CRO mittelständische Unternehmen im Rahmen von Insolvenzverfahren in der Eigenverwaltung begleitet. Was sind die größten Herausforderungen?

In ein krisenhaftes Unternehmen kommt man als CRO grundsätzlich unvorbereitet. Zumeist werden die Krisenanzeichen in den Unternehmen zu spät wahrgenommen, so dass außergerichtliche Sanierungsmaßnahmen kaum noch möglich sind. Der Sanierungsberater erstellt in aller Eile ein Sanierungskonzept. Im Idealfall hat der CRO bereits daran mitgearbeitet. In vielen Fällen wird der CRO aber erst bestellt, wenn das Sanierungskonzept schon fertig ist und die notwendigen Unterlagen für den allfälligen Insolvenzantrag bereits zusammengestellt sind. Der CRO steht zu diesem Zeitpunkt vor der Aufgabe, als Geschäftsführer oder Vorstand des Unternehmens sofort und ohne jede Einarbeitungszeit die volle Verantwortung für den richtigen Insolvenzantrag und das richtige Sanierungskonzept damit auch für das Gelingen der Insolvenz zu übernehmen.

 

Der Sanierungsgeschäftsführer respektive der CRO spielen eine immer wichtigere Rolle. Dennoch wurden diese Funktionen im Rahmen des ESUG durch den Gesetzgeber bislang nicht klar geregelt. Welche Punkte bedürfen dringend einer gesetzlichen Regelung?

Bisher ist das Recht des CRO aus dem Recht des Geschäftsführers der GmbH beziehungsweise des Vorstands einer Aktiengesellschaft abzuleiten. Diese Vorschriften weisen Geschäftsführer und Vorstand die uneingeschränkte Verantwortlichkeit zu. Diese Verantwortlichkeit kann der CRO mangels Vorbereitung jedoch gar nicht ausfüllen. Daher bedarf es einer Sonderregelung für CRO sowohl im GmbH-Recht als auch im Aktienrecht.

 

Sanierungsberater, Schuldner, Gesellschafter – der CRO bewegt sich in einem Spannungsfeld mit unterschiedlichen Interessen. Wie kann der CRO sich gegen mögliche Konflikte absichern?

Gerade weil der CRO als Geschäftsführer oder Vorstand voll haftet, kann er sich nur über eine D&O-Versicherung einigermaßen absichern. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass vorsätzliche, aber auch grob fahrlässig verursachte Rechtsverstöße wie zum Beispiel verspätete Insolvenzanträge durch die D&O-Versicherung nicht abgesichert sind.

 

Welchen besonderen Haftungsrisiken ist der CRO ausgesetzt?

Der CRO ist denselben Haftungsrisiken wie ein normaler Geschäftsführer oder Vorstand eines Unternehmens ausgesetzt, also allumfassend. Insbesondere haftet er aber spezifisch für die Einhaltung der Regeln des Insolvenzrechts. In diesem Zusammenhang ist für juristische Laien klarzustellen: Insolvenz in Eigenverwaltung ist nichts anderes als eine Insolvenz. Demzufolge ist das Insolvenzrecht in voller Schärfe auch in der Eigenverwaltung anzuwenden.

 

Was muss im Falle einer „Insolvenz nach der Insolvenz“ beachtet werden?

Innerhalb eines Insolvenzverfahrens muss der CRO ausschließlich die Befriedigungsrechte der Gläubiger beachten. Dies wird in der Praxis sehr häufig verkannt. Insbesondere muss er darauf achten, dass die Insolvenzmasse nicht zum Nachteil der Gläubiger verwirtschaftet wird. Tritt eine solche Verwirtschaftung der Insolvenzmasse ein, haftet der CRO nach insolvenzrechtlichen Vorschriften persönlich.

 

Frank Thiele ist Rechtsanwalt und Experte für Insolvenz-, Steuer- und Baurecht. Er ist vornehmlich als CRO für Unternehmen tätig, die sich in eigenverwalteter Insolvenz selbst sanieren. Kontakt: RAThiele@gmx.de