07.07.2015 |  Studie

Die aktuelle Situation des Interim Management-Marktes und die Herausforderungen für die Zukunft

Interim Manager werden immer mehr für die Bewältigung strategischer Aufgaben eingesetzt. Die kurzfristige Überbrückung von Personallücken ist dagegen nur noch in den wenigsten Fällen Einsatzanlass.

Dies zeigt der "Europäische Interim-Management Report" von Executives Online, in dem europaweit 1600 Manager auf Zeit befragt wurden.

Vom Lückenfüller zum Strategen und Berater

Galten Interim Manager früher als Übergangslösung, wenn dringend eine Stelle zu besetzen war, hat sich der Schwerpunkt mittlerweile deutlich verlagert. Die Umfrage zeigt, dass heute rund ein Drittel der Mandate im Bereich des Change Managements liegen. Häufige Anlässe, Interim Manager einzusetzen, sind auch Krisensituationen und Sanierungsfälle. Die "Lückenfüllung" macht dagegen nur noch vier bis fünf Prozent der Aufträge aus. 

Interim Management ist demnach besonders gefragt, wenn es um grundlegende Veränderungen und die Bewältigung außergewöhnlicher Herausforderungen geht. Offenbar traut man hier der Management-Kompetenz von außen mehr zu als unternehmensinternen Lösungen. Gewünscht sind vor allem strategische Fähigkeiten und strikte Ergebnisorientierung. 23 Prozent der Befragten gaben an, dass strategische Aufgaben den wichtigsten Teil ihrer Tätigkeit ausmachen, 21 Prozent nannten die Ergebnisorientierung. Interim Manager sollen dabei nicht nur Strategien entwickeln, sondern auch bei der Umsetzung helfen. Sie fungieren damit gleichzeitig als Unternehmensberater

Wie Unternehmen Interim Management nutzen

Bei der Frage, welche Unternehmen Interim Management einsetzen, zeigte sich ein differenziertes Bild. 46 Prozent der Mandate entfielen auf mittelständische Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Hier waren vor allem Spezialkenntnisse gefragt. Diese Firmen nutzen Interim Manager bevorzugt für Positionen, bei denen sie nicht selbst entsprechendes Spezial-Know-how vorhalten können. Eine andere Studie des Kronberger Interim Management-Vermittlers Ludwig Heuse weist aber auch ein verstärktes Interesse von Großunternehmen aus. In der Heuse-Studie ist der Anteil der Großunternehmen bei der Interim Manager-Nachfrage binnen zehn Jahren von 23 auf 35 Prozent gestiegen. Dies wird primär mit dem Wunsch nach Flexibilisierung des bestehenden Management-Pools erklärt. Rückläufig ist dagegen der Anteil der Kleinunternehmen, was auf weniger Startups zurückgeführt wird. 

Wenn Interim Manager eingesetzt werden, ist Schnelligkeit angesagt. Auch das zeigt die Heuse-Studie. In 80 Prozent der Fälle lagen zwischen der ersten Anfrage und der Beauftragung weniger als 30 Tage. In 20 Prozent der Fälle waren es sogar weniger als 5 Tage. Interim Manager konnten ihre Tagessätze dabei über die letzten Jahre auf hohem Niveau behaupten.