19.01.2017 |  Studie

Deutsche Start-ups: Chancen und Risiken

Deutsche Start-ups starten optimistisch ins neue Jahr: Laut einer Umfrage von PwC gehen drei von vier Unternehmern davon aus, ihren Umsatz im Jahre 2017 zu steigern – jeder zweite davon rechnet sogar mit einem Plus von mehr als zehn Prozent. Und nicht nur finanziell soll es bergauf gehen: Auch bei den Mitarbeitern wollen die jungen Firmen aufstocken. Um die begehrten Spezialisten für sich zu gewinnen, setzen sie auf Anreize wie flexible Arbeitszeiten, attraktive Standorte, individualisierte Angebote sowie andere Incentives.

Deutsche Start-ups: Das sind ihre Stärken

Der Optimismus ist nicht unbegründet: Viele Start-ups punkten durch ihre Stärke im Bereich der Digitalisierung – dort, wo zahlreiche alteingesessene Firmen ihre Prozesse erst umstellen oder mithilfe externer Experten neu aufsetzen müssen, gehört sie bei den neuen, häufig innovativen Geschäftsmodellen von Anfang an zum Konzept. Mängel gibt es allerdings stellenweise ausgerechnet bei der IT-Sicherheit. Zudem sind die Unternehmensgründer starke Netzwerker: Sie wissen, wie wichtig es ist, mit starken Partnern zusammenzuarbeiten und legen dementsprechend einen Fokus auf Kooperationen, um wertvolle Geschäftsbeziehungen mit etablierten Unternehmen zu etablieren. Dieses Potenzial verschafft den kleinen Unternehmen großen Aufschwung.

Etwa 6000 deutsche Start-ups gibt es derzeit laut FAZ. Unter diesem Begriff versteht man junge, noch nicht etablierte Unternehmen, die sich in der ersten Lebenszyklus-Phase, also in einer starken Wachstumsphase befinden. Zudem werden sie mit geringem Startkapital und einer innovativen Geschäftsidee gegründet. Ihr Ziel ist es, schnell zu wachsen. Beispiele wie Momox oder Home24 zeigen, wie das klappen kann: Beide Unternehmen sind seit weniger als zehn Jahren auf dem Markt, setzten in den vergangenen Jahren aber bereits Millionen um und beschäftigen mehr als 1000 Mitarbeiter.

Doch Wachstum bringt auch Herausforderungen mit sich: Sobald sich ein Start-up an der Schwelle zum etablierten Unternehmen befindet, tragen die gewachsenen Strukturen die neuen Prozesse häufig nicht mehr. Je größer ein Team wird, desto mehr Strukturen, Standards und Organisation sind erforderlich. Es müssen sinnvolle Führungsebenen eingezogen und möglicherweise Abteilungen gebildet werden. Für solche Veränderungen wird Interim Management in Start-ups häufig eingesetzt.

Einsatzgebiete für Interim Management in Start-ups

Ist ein Start-up-Unternehmen erfolgreich und wächst überproportional, werden zunehmend Interim Manager mandatiert, um das Wachstum der Organisation zu alimentieren, d.h. Strukturen, System, Abläufe und Personal so zu konfigurieren, dass Wachstum möglich ist. Deutsche Start-ups werden häufig von Experten im entsprechenden Fachgebiet gegründet. Dementsprechend haben diese Geschäftsführer mitunter zwar viel Know-how bzgl. des Marktes, der spezifischen Technologie, etc. – es fehlt aber häufig Expertise in klassischen betriebswirtschaftlichen Themen, Personalmanagement, Unternehmensführung, etc. In diesen Einsatzgebieten kann ein Interim Manager die Lücke schließen.

Ein weiterer Punkt, für den Interim Management in Start-ups relevant ist, sind Themen im Zusammenhang mit der Internationalisierung des Unternehmens. Die Erschließung von Auslandsmärkten ist einer der schnellsten Wege, um Wachstumschancen zu nutzen, aber auch hohe Risiken einzugehen. Hierbei stehen Fragen bzgl. der Attraktivität und der Wettbewerbssituation einzelner Märkte, die Markteintrittsstrategie, die notwendigen Ressourcen sowie eine Vielzahl von juristischen Fragen im Vordergrund der Betrachtung.

Investitionen in deutsche Start-ups sinken

Doch bei allem Optimismus ist die Welt für deutsche Start-ups nicht nur rosig: Während in den letzten Jahren ein regelrechter Hype um die jungen, innovativen Unternehmen bestand, zeigte sich 2016 deutlich nüchterner. Laut Startup-Barometer 2016 wurden im ersten Halbjahr nur noch 144 Millionen Euro in E-Commerce Unternehmen aus Deutschland investiert. Im selben Zeitraum für 2015 waren es noch nahezu 1,4 Milliarden Euro. Ein Grund für diese negative Entwicklung könnte sein, dass viele Start-ups sich zu sehr darauf konzentriert haben, Investoren für ihre Ideen zu gewinnen. Die erfolgreiche Umsetzung vielversprechender Businesspläne in der Praxis geriet dabei häufig ins Hintertreffen. Der Einbruch bei den Investments kann aber auch einen positiven Wandel für deutsche Start-ups bedeuten: Nach der anfänglichen Begeisterung ist eine gewisse Ernüchterung eingetreten und die Investoren stehen neuen Projekten kritischer gegenüber. Man kann daher vermuten, dass sich in Zukunft eher die guten Ideen und Geschäftsmodelle durchsetzen werden, die gepaart sind mit der Führungs- und Umsetzungsstärke der Gründer. Profitieren werden also die Gründer, die durchdachte und realisierbare Businesspläne für ihr Unternehmen präsentieren und diese dann auch exekutieren können.