03.04.2017 |  Studie

BVK: Venture Capital Fonds auf dem Vormarsch

Venture Capitals sind auf dem Vormarsch, so der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Mit einem Anstieg um 13 Prozent auf 930 Mio. Euro an Investitionen, haben Private Equity-Gesellschaften seit dem Jahr 2008 am meisten investiert.

Mehr als 5.000 Unternehmen werden in Deutschland mit Beteiligungskapital finanziert. Dies zeigt, wie wichtig diese Finanzierungsform insbesondere für Start-ups ist. Seit 2012 nimmt die Finanzierung von Start-ups durch Venture Capitals stetig zu.

Aber auch kleinere und mittlere Unternehmen profitieren insgesamt: Mehr als 90 Prozent der Investitionen von Beteiligungsgesellschaften konzentrieren sich auf Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern oder weniger als 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Start-ups profitieren nicht nur von Investitionen, sondern auch vom Know-how

Der Berliner VC-Report 2016 skizziert, weshalb Engagements von Kapitalbeteiligungsgesellschaften für Start-ups so wertvoll sind. Das Beteiligungskapital ermöglicht es den Gründern, ihre Ideen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig liefern Beteiligungsgesellschaften Know-How und Erfahrungen, so dass aus guten Geschäftsideen erfolgreiche und tragfähige Geschäftsmodelle werden.

Der Mehrwert ist daher nur finanziell: Die jungen Unternehmen profitieren auch von dem Know-how, das die Investoren zur Verfügung stellen. Gerade in den Bereichen Logistik, Rechnungs- und Finanzwesen sowie Business Development unterstützen die Kapitalgeber die Start-ups häufig in der Anfangsphase. Anders als Banken handelt es sich beim Venture Capital also um eine Partnerschaft auf verschiedenen Leistungsebenen.

Wachstum vor allem bei Later Stage Venture Capitals

Im letzten Jahr fokussierten sich die Investments insbesondere auf das sogenannte „Later Stage“ Venture Capital; also Beteiligungen an Unternehmen, die sich bereits in der Expansions-Phase befinden.

Der Buy-out-Markt verzeichnete auch ein hohes Transaktionsvolumen. Der Markt profitierte von günstigen Finanzierungsbedingungen sowie wirtschaftlich starken Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten. Auch beim Fundraising punktet der Buy-out-Markt: Die Fonds ihre Mittel durch Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln, während das klassische Fundraising um 25 Prozent unter dem Vorjahreszahlen lag.

Auch dem aktuellen Jahr sehen die Beteiligungsgesellschaften positiv entgegen, wie eine Prognose des BVK ergab. Die Hälfte der Gesellschaften möchte ihre Investitionen steigern, immerhin 45 Prozent planen, das Niveau der eigenen Investitionen zumindest zu halten.

Europäischer Fund of Fund bringt 2017 voraussichtlich Bewegung in den Markt

In 2017 dürfte der Markt weiterhin in Bewegung bleiben. Eine spannende Entwicklung ist das Fund of Fund-Programm der Europäischen Kommission und des European Investment Fund. Dabei handelt es sich um einen EU-weiten Wagniskapitaldachfonds. Mit dieser Maßnahme wird ein Problem adressiert, das die europäischen Venture-Capital-Fonds im Vergleich zur US-Konkurrenz schon seit Längerem schwächt.

Zum einen können die relativ kleinen europäischen Fonds meist nur verhältnismäßig geringe Finanzierungsrunden von weniger als zehn Millionen Euro realisieren – den europäischen Start-ups stehen also im Vergleich zu den amerikanischen Wettbewerbern weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Zudem investieren große Geldgeber aus den USA ungern in die europäischen Fonds, die ihnen mit Durchschnittswerten von 60 bis 70 Millionen Euro schlicht zu klein für eine Investition sind. Ziel ist es, mit dem Fund of Fund den europäischen Markt zu stärken, so Michael Collins, Leiter des europäischen Private Equity- und Venture Capital-Branchenverbandes.

DAX-Unternehmen gründen eigene Venture Capital Fonds

Aber auch die deutschen Großunternehmen sorgen dafür, dass 2017 ein spannendes Jahr für das Venture Capital werden dürfte. Insbesondere im Bereich Tech-Start-ups beteiligen sich DAX-Unternehmen mit eigenen Venture-Capital-Fonds an vielversprechenden neuen Geschäftsideen. Prominente Beispiele sind BMW, Siemens sowie die Deutsche Telekom.

Der 530 Millionen Euro schwere BMW iVenture Capital Fund fokussiert sich auf Neuentwicklungen in den Bereichen Elektromobilität, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Cloud-Dienste und autonomes Fahren. 2016 investierte der Fonds beispielsweise in Carbon 3D, ein Silicon Valley Start-up im Bereich der 3D-Druckertechnologie für Autoteile.

Der Fonds next47 von Siemens verfügt über ein Volumen von einer Milliarde Euro. Das erste große Projekt des noch sehr jungen Fonds besteht in einer Zusammenarbeit mit Airbus. Gemeinsam wollen die beiden Konzerne die Möglichkeiten der Hybrid- und Elektrotechnologie für den Flugverkehr ausloten und weiterentwickeln. Die Deutsche Telekom ist ebenfalls aktiv und beteiligt sich mit der hauseigenen Investment Management Gruppe Deutsche Telekom Capital Partners (DTCP) mit 1,7 Milliarden Euro an jungen, innovativen Unternehmen.